Zur Akzeptanzforschung bei Alternativen Kraftstoffen

05.08.2019

Im Interview verrät Anika Linzenich, wissenschaftliche Mitarbeitern am Lehrstuhl für Communication Science, wie im Rahmen des Clusters The Fuel Science Center die öffentliche Wahrnehmung und Akzeptanz von alternativen Kraftstoffen untesucht wird, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Öffentlichkeit alternative Kraftstoffe akzeptieren würde.

 

Projekt CA3-2-09: Public Perception and Acceptance of Innovative Fuels as Integral Corrective on the Fuel Demand Side

  Anika Linzenich vom HCIC Urheberrecht: Anika Linzenich

Kannst du dich zu Beginn kurz vorstellen und uns sagen, welche Rolle dein Projekt im Fuel Sciene Center spielt?

Mein Name ist Anika Linzenich und ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Communication Science und am Human-Computer Interaction Center der RWTH Aachen. Der Lehrstuhl für Communication Science untersucht innerhalb des Fuel Science Centers die öffentliche Wahrnehmung und Akzeptanz von alternativen Kraftstoffen, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Öffentlichkeit alternative Kraftstoffe akzeptieren würde, um ökologisch nachhaltige, aber auch sozial akzeptierte Kraftstoffinnovationen im Verkehrssektor zu erreichen.

Akzeptanz ist heutzutage eine Art Modewort. Die Modellierung der Technologieakzeptanz hat jedoch eine lange Geschichte und beschäftigt sich mit komplexen menschlichen Entscheidungen, bei denen Einzelpersonen die wahrgenommenen möglichen Vorteile einer Technologie mit möglichen Nachteilen abwägen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu betonen, dass sich die wissenschaftliche Akzeptanzforschung von Service- und Marketingansätzen unterscheidet und nicht " Akzeptanztechnik " ist. Die Marketinganstrengungen zielen darauf ab, eine positive Akzeptanz für ein marktreifes Produkt oder eine marktfähige Technologie zu schaffen. In der Akzeptanzforschung arbeiten wir jedoch daran, die Anforderungen an eine gesellschaftlich akzeptierte Technologie bereits im Stadium ihrer technischen Entwicklung (in diesem Fall alternative Kraftstoffe und deren Produktionswege) rechtzeitig zu identifizieren. So können innovative Kraftstofflösungen besser an die Bedürfnisse der Öffentlichkeit angepasst werden - von Anfang an können sozial akzeptierte Entwicklungspfade für alternative Kraftstoffe und deren Produktionswege identifiziert werden, anstatt umgekehrt zu versuchen, am Ende eine Akzeptanz für sie zu schaffen.

 

Könntest du das Projekt in einem Satz erklären?

Im Fuel Science Center untersuchen wir die Akzeptanzanforderungen verschiedener Interessengruppen (Öffentlichkeit, aber auch Politik und Industrie) für Kraftstoffinnovationen im Verkehrssektor, um die soziale Akzeptanz als Zielfunktion direkt in die technische Entwicklung zu integrieren und neuartige Kraftstofflösungen besser an die Anforderungen von Umwelt und Gesellschaft anzupassen.

 

Da die Frage der Akzeptanz und der sozialwissenschaftliche Forschungsprozess innerhalb des Clusters noch weitgehend unbekannt sind, möchten wir gerne wissen, warum die öffentliche Akzeptanz für eine Umstellung auf alternative Kraftstoffe relevant ist.

Der erfolgreiche Roll-out von alternativen Kraftstoffen wird nicht nur davon abhängen, ob sie technisch machbar oder wirtschaftlich sinnvoll sind. Ein weiterer wichtiger Faktor wird die Akzeptanz der verschiedenen beteiligten Akteure sein, vor allem der Öffentlichkeit, aber auch z.B. von Politik und Wirtschaft. An dieser Stelle reicht es nicht aus, sich auf die Dimension der Marktakzeptanz zu konzentrieren (Wären Autofahrer bereit, alternative Kraftstoffe zu verwenden?). Auch die Akzeptanz des Produktionsprozesses kann eine wichtige Rolle spielen. Benötigt beispielsweise ein alternativer Kraftstoff einen Produktionsschritt, der als besonders riskant empfunden wird, z.B. weil er mit einem Unfallrisiko oder einer Gesundheitsgefährdung verbunden ist, kann die Ablehnung dieses Produktionsschritts dazu führen, dass das Endprodukt "alternativer Kraftstoff" abgelehnt wird oder auf dem Markt versagt. Ein weiteres Beispiel: Wenn ein Produktionsschritt in die Produktion des alternativen Kraftstoffs einbezogen wird, der die Installation einer speziellen Art von Infrastruktur erfordert (z.B. eine Produktionsanlage für alternative Kraftstoffe oder eine Pipeline), ist es wichtig, dass diese geplante Infrastruktur von den in dieser Region lebenden Bewohnern vor Ort akzeptiert wird. Andernfalls kommt der Kraftstoff möglicherweise nicht auf den Markt, weil der Produktionsweg bereits abgelehnt wurde. Deshalb ist es wichtig, dass wir eine ganzheitliche Sichtweise haben und die Akzeptanz über den gesamten Lebenszyklus alternativer Kraftstoffe, d.h. Produktion und Nutzung, berücksichtigen. So können wir die akzeptanzrelevanten Hotspots (d.h. die Lebenszyklusschritte, die am akzeptanzrelevantesten sind) und die Anforderungen der verschiedenen Stakeholdergruppen an diese Lebenszyklusschritte identifizieren.

 

Wann sollte die Akzeptanz in die technische Entwicklung integriert werden?

Die Akzeptanzforschung folgt bisher in der Regel einem retrospektiven Ansatz, d.h. wenn man feststellt, dass eine innovative Technologie auf der Marktreife mit Akzeptanzproblemen konfrontiert ist oder gar am Markt versagt, wird rückwirkend analysiert, warum die Marktübernahme gescheitert ist. Aber dann ist es meist zu spät, da die mangelnde Akzeptanz und die negative öffentliche Meinung zu dieser Technologie den weiteren Ausbau behindern könnten. Unser Ziel im Fuel Science Center ist es daher, diesen rückblickenden Ansatz aufzugeben und so früh wie möglich, vorzugsweise bereits zu Beginn der technischen Entwicklung eines Kraftstoffs, Akzeptanz zu schaffen. Wenn wir die Akzeptanz von Anfang an neben technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten in die technische Modellierung einbeziehen, ist es möglich, die sozial akzeptierten Wege für alternative Kraftstoffe und deren Produktionswege zu identifizieren. Dann wissen wir: Wenn wir innerhalb dieser Korridore mit dem Produktionsweg und dem Kraftstoff bleiben, würde die Akzeptanz dieses Kraftstoffs gegeben sein, aber wenn wir uns aber außerhalb bewegen, besteht die Gefahr, dass die Kraftstoffinnovation abgelehnt wird.

 

Wie untersucht man methodisch die Akzeptanz innovativer Technologien?

Um die Akzeptanz innovativer Technologien, wie z.B. neuer Kraftstoffarten, zu untersuchen, wenden wir das gesamte Spektrum an Methoden an, das wir in den Sozialwissenschaften haben. Grundsätzlich verwenden wir immer einen Mixed-Methods-Ansatz, bei dem wir qualitative Methoden (wie Fokusgruppen und Interviews) mit quantitativen Methoden (wie Umfragen und Conjoint-Analysen) kombinieren. Auf diese Weise können wir die mit alternativen Kraftstoffen verbundenen Vorteile und Barrieren sowie die Akzeptanzbedingungen für alternative Kraftstoffe in verschiedenen Interessengruppen identifizieren und quantifizieren. Außerdem können wir herausfinden, wo diese Stakeholdergruppen gewichtige Trade-offs, also Abwägungen zwischen den verschiedenen akzeptanzrelevanten Parametern machen. Daraus können wir relevante Stakeholderprofile und Empfehlungen ableiten, wie wir die Technologie akzeptabler machen können und wo Kommunikations- und Informationskonzepte erforderlich sein können, um die Öffentlichkeit über alternative Kraftstoffe zu informieren. An dieser Stelle ist es wichtig zu sagen, dass Akzeptanz ein komplexes Konstrukt ist, d.h. wir müssen zunächst geeignete Indikatoren zur Messung der Akzeptanz finden. Deshalb ist ein wichtiger Teil unserer Forschung die Entwicklung geeigneter Messgeräte, um die Akzeptanz zu beurteilen und in einem iterativen Prozess zu schärfen, zu validieren und auf den Anwendungskontext anzuwenden.

  Integration von Akzeptanz entlang des Alternative-Fuel-Life-Cycles Urheberrecht: HCIC

Wie sieht die Arbeit in eurem Projekt aus? Was unterscheidet sie von früheren Forschungsansätzen?

Wir wollen nicht auf der Ebene unserer eigenen Daten und Ergebnisse bleiben - das ist in der Akzeptanzforschung oft der Fall -, sondern wir wollen unsere Ergebnisse auch in die Praxis, in einen Anwendungskontext übertragen. Dazu müssen wir herausfinden, wie wir unsere Ergebnisse so umsetzen können, dass sie direkt in der technischen Modellierung verwendet werden können, zum Beispiel in einer Lifecycle-Analyse für alternative Kraftstoffe. Dies verspricht einen großen Erkenntnisgewinn, denn frühere Lifecycle-Analysen basieren oft auf Marktmodellen, die von einem überwiegend rationalen Verhalten der beteiligten Akteure ausgehen. Aber menschliche Entscheidungen sind nicht immer rational oder logisch - zumindest nicht aus der Sicht eines technischen Experten -, sondern werden wesentlich durch Affekte beeinflusst. Daher sind diese Marktmodelle nicht in der Lage, die öffentliche Wahrnehmung und Akzeptanz von alternativen Kraftstoffen tatsächlich vorherzusagen, da sie diese menschlichen Bewertungen, Handlungen und Entscheidungen vernachlässigen. So kann die Integration von Akzeptanz hier wirklich einen Mehrwert schaffen.

 

Was sind eure wichtigsten Forschungsfragen?

Im Fuel Science Center sind unsere wichtigsten Forschungsfragen:

  • Wie werden alternative Kraftstoffe in der Öffentlichkeit wahrgenommen?
  • Welche Vor- und Nachteile werden mit alternativen Kraftstoffen assoziiert? Und daraus abgeleitet: Was sind die Gelingensfaktoren und was sind die Barrieren für einen Umstieg auf alternative Kraftstoffe im Verkehrssektor?
  • Betrachten wir den gesamten Lifecycle von alternativen Kraftstoffen: Welche Akzeptanz-Hotspots gibt es entlang des Lifecycles? Das heißt, was sind die akzeptanzrelevantesten Punkte im Lifecycle und wie müssen diese Schritte gestaltet sein, damit sie den Anforderungen der verschiedenen Stakeholder wirklich entsprechen?
  • Eine weitere wichtige Frage ist: Welche Anwendungskontexte von alternativen Kraftstoffen werden am meisten akzeptiert? Es gibt ein ganzes Spektrum unterschiedlicher Anwendungen; neben dem Individualverkehr gibt es auch die Luftfahrt oder die Schifffahrt, und aus technischer Sicht unterscheiden sich diese Sektoren in ihrer Eignung für den Einsatz alternativer Kraftstoffe. Hier wollen wir die Perspektive der Bevölkerung, d.h. der Laien, hinzufügen. Welches Anwendungsgebiet bevorzugen sie am meisten? Wie sehen die Anforderungen der Bevölkerung an alternative Kraftstoffe in den verschiedenen Kontexten aus und wie müssen individuelle Informationskonzepte aussehen, um die Bevölkerung über alternative Kraftstoffe zu informieren?
  • Wenn wir uns auf den Bereich des Autoverkehrs konzentrieren, stellt sich auch die Frage: Nach welchen Bewertungskriterien bewerten die Fahrer alternative Kraftstoffe und wie gewichten sie diese, wenn sie entscheiden, ob sie einen alternativen Kraftstoff verwenden wollen oder nicht? Wichtig ist auch die Frage, ob es vielleicht unterschiedliche Nutzergruppen oder Konsumentenprofile gibt, die sich in ihren Anforderungen an alternative Kraftstoffe und ihrer Gewichtung der Bewertungskriterien für Kraftstoffe unterscheiden.
  • Und schließlich die große methodische Frage: Wie kann die direkte Integration der Akzeptanz in eine technische Lifecycle-Analyse erreicht werden? Was sind die methodischen Anforderungen, wo liegen die größten Fallstricke, die wir überwinden müssen und wie können wir Lösungen finden?
 

Was sind - kurz zusammengefasst - die Ziele des Projekts?

Wie eingangs erwähnt, sind die Ziele unseres Projekts, die Kraftstofflösungen besser an die Anforderungen der verschiedenen Stakeholder-Gruppen anzupassen. Dabei werden die Akzeptanzbedingungen für alternative Kraftstoffe identifiziert, quantifiziert und gewichtet. Auf der methodischen Ebene wollen wir herausfinden, wie wir die Akzeptanz als Zielfunktion direkt in die Kraftstoffentwicklung und Prozessoptimierung für alternative Kraftstoffe einbeziehen können, um die sozial akzeptierten Entwicklungspfade für alternative Kraftstoffe zu identifizieren.

 

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit technischen Instituten bei eurer Forschung? Mit welchen Instituten arbeitet ihr zusammen?

Die Zusammenarbeit ist ein sehr wichtiger Faktor für unsere Forschung im Fuel Science Center, denn nur das Zusammenspiel von Technik und Akzeptanzforschung ermöglicht es, Probleme, Forschungsfragen, aber auch Lösungen für eine sozialverträgliche alternative Kraftstoffentwicklung zu identifizieren. Wir wollen unsere Akzeptanzergebnisse in die technische Modellierung und in einen Anwendungskontext einbringen und gegen die Realität testen. Vor diesem Hintergrund streben wir eine enge Zusammenarbeit und methodische Vernetzung zwischen Akzeptanzforschern, technischen Modellbauern, Kraftstoff-, Lifecycle-, Energiesystem- und Motorenexperten an. Hier müssen wir ein gemeinsames Verständnis dafür entwickeln, wie wir in den verschiedenen Disziplinen forschen, wie wir Modelle aufstellen (z.B. müssen wir herausfinden, wo die wichtigsten Gemeinsamkeiten liegen, aber auch die Unterschiede, die wir überbrücken müssen). Dies erfordert die Entwicklung einer gemeinsamen Sprache. Wie gezeigt, kann die Frage, wie wir die Akzeptanz in die technische Modellierung integrieren können, nicht allein von uns beantwortet werden. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir gerade im CA3 bereits viele gut funktionierende, aufschlussreiche und erfolgreiche Kooperationen begonnen haben, z.B. mit dem Lehrstuhl für Technische Thermodynamik (LTT), der Aachener Verfahrenstechnik, Systemverfahrenstechnik (AVT.SVT), dem Institut und Lehrstuhl für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (IAEW), dem Lehrstuhl für Operations Management (OM) sowie mit den Biologen des Instituts für Umweltforschung (Bio V), und wir planen auch einen gemeinsamen Austausch mit dem Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen (VKA).

 

Kannst du uns etwas über diese Kooperationen sagen? Was habt ihr bereits gemeinsam untersucht?

Wir arbeiten beispielsweise mit Prof. Bardow und den Mitarbeitern vom LTT zusammen - mit denen wir bereits seit mehreren Jahren erfolgreiche Forschungskooperationen in anderen Projekten teilen. Gemeinsam untersuchen wir die Akzeptanz von alternativen Kraftstoffen über den gesamten Lifecycle von der Produktion bis zum Einsatz. In unserer ersten Studie im Rahmen des FSC haben wir gemeinsam untersucht, wie ein akzeptiertes Produktionsszenario für CO2-basierte alternative Kraftstoffe aussehen könnte. Im Hinblick auf verschiedene CO2-Quellen, verschiedene CO2-Transportartem und die Größe der Anlage haben wir uns gefragt, wie das Best-Case-Szenario aus Akzeptanzsicht aussehen würde. Wie würde der am meisten akzeptierte Produktionsweg aussehen? In einem zweiten Schritt haben wir auch untersucht, ob die Bereitstellung technisch korrekter Informationen die Wahrnehmung von Laien verändert, so dass sie plötzlich andere Konzepte bevorzugen, wenn sie herausfinden, welche Motivation dahinter steckt und welche technischen Vorteile die verschiedenen Produktionsszenarien haben.

Wir haben eine weitere Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Mitsos. In dieser Zusammenarbeit haben wir uns auf alternative Kraftstoffe als Endprodukt konzentriert. In einer gemeinsamen Studie haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was die wichtigsten Bewertungskriterien sind, die die Fahrer bei der Entscheidung, ob sie einen alternativen Kraftstoff verwenden wollen, anwenden. Unter anderem haben wir untersucht, wie Fahrer Schadstoffemissionen im Vergleich zu nutzungsabhängigen Faktoren wie Kraftstoffverfügbarkeit, Kraftstoffkosten und Reichweite bewerten. Auf der diesjährigen Fuel Science Center Conference haben wir gemeinsam mit AVT.SVT die ersten Ergebnisse dieser Zusammenarbeit vorgestellt und uns über das positive Feedback gefreut. Darüber hinaus haben wir unsere Ergebnisse in einem gemeinsamen Forschungspapier veröffentlicht. Das Schreiben war eine Herausforderung, da es eine interdisziplinäre Aufgabe war, Perspektiven zu verschmelzen, aber es hat auch Spaß gemacht. Für die Zukunft haben wir bereits einige neue Schritte geplant, z.B. möchten wir unsere Perspektive etwas erweitern und die Präferenzen und Akzeptanz für verschiedene Anwendungskontexte von alternativen Kraftstoffen untersuchen. An dieser Stelle haben wir auch ein großes Synergiepotenzial zu anderen Projekten, in denen wir an unserem Institut arbeiten, so dass ich denke, dass wir sehr interessante Ergebnisse erzielen werden.

Eine dritte Kooperation, die wir im Fuel Science Center haben, ist mit Prof. Moser und den Mitarbeitern des IAEW. Hier haben wir untersucht, wie eine akzeptierte Infrastrukturplanung zur Produktion alternativer Kraftstoffe aussehen könnte. Das bedeutet, dass wir die Anforderungen von Laien an akzeptierte Produktionsanlagen für alternative Kraftstoffe, z.B. in Bezug auf Emissionen wie Geräusche und Geruch, untersucht haben. Wir untersuchten auch die Auswirkungen möglicher Kompensationen oder Anreize für den Fall, dass eine solche Produktionsanlage gebaut wird, wie z.B. die Schaffung neuer Arbeitsplätze oder reduzierter Kraftstoffpreise, und die Präferenzen für die Energieversorgung der Kraftstoffproduktionsanlage, um aufzuzeigen, wie das bevorzugte oder akzeptierte Produktionsszenario aussehen würde.

Dies sind die wichtigsten Kooperationen, die wir bisher im FSC hatten. Aber natürlich haben wir auch viele andere Anknüpfpunkte drumherum, auch mit anderen Lehrstühlen, wo wir derzeit neue Themen angehen, um die akzeptanzrelevanten Parameter für alternative Kraftstoffe und deren Produktionswege systematisch aufzudecken.

 

In Bezug auf den Lehrstuhl für Communication Science: Was erforscht ihr und warum spezialisiert ihr euch u.a. auf den Bereich alternativer Kraftstoffe?

Am Lehrstuhl für Communication Science geht es nicht nur um die Akzeptanz alternativer Kraftstoffe, sondern um die Akzeptanz eines ganzen Portfolios verschiedener Technologien, die vor dem Hintergrund aktueller globaler Herausforderungen wie Klimawandel, endliche fossile Ressourcen und demographischer Wandel an Bedeutung gewinnen und verschiedene wichtige Säulen der Gesellschaft ansprechen. Ein Schwerpunkt unserer Arbeitsgruppe liegt im Bereich Energie und Mobilität: Wir untersuchen Akzeptanzbedingungen für verschiedene Energietechnologien, z.B. erneuerbare Energien und zugehörige Speicherkraftwerke sowie E-Mobilität, alternative Kraftstoffe und autonomes Fahren, um nur einige Beispiele zu nennen. Neue Antriebslösungen sind ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit einem Mobilitätswandel hin zu weniger Schadstoff- und CO2-Emissionen im Verkehr. Deshalb betrachten wir die Akzeptanz von alternativen Kraftstoffen als Anwendungskontext. Und das Interessante ist: Wenn man die Akzeptanz verschiedener Technologien im Energie- und Mobilitätsbereich untersucht, kann man die Ergebnisse, die man aus einem Anwendungskontext erhält, spiegeln, um zu prüfen, ob sie im anderen technologischen Kontext ähnlich sind oder ob es Unterschiede gibt - das heißt, ist es ein technologiespezifischer Effekt oder tritt er technologieübergreifend auf?

 

Was macht dir am meisten Spaß an der Arbeit im Fuel Science Center?

Was mir am meisten Spaß macht und sehr spannend ist, ist das hohe Maß an Interdisziplinarität im Fuel Science Center, denn bei unserer Arbeit geht es nicht darum, auf der Ebene der disziplinären Methodenentwicklung aufzuhören, sondern zu versuchen, unsere Modelle in einen Anwendungskontext zu übertragen. Durch die Kombination unserer methodischen Ansätze in den verschiedenen Disziplinen erhalte ich wertvolle und interessante Einblicke in neue Forschungsgebiete, die ich besonders spannend finde. Ich lerne viel, wenn ich die Methoden des anderen verstehe, herausfinde, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen, und Wege entwickle, diese Unterschiede zu überwinden oder zu überbrücken. Diese Weiterentwicklung der Methoden ist ein sehr innovativer und herausfordernder Ansatz - um herauszufinden, wie es uns gelingen kann, unsere Ergebnisse so zu übersetzen, dass sie in die technische Modellierung passen, damit wir am Ende technisch umsetzbare, ökologisch nachhaltige und sozialverträgliche Kraftstofflösungen erhalten. Ich denke, dass mein Studium der Technikkommunikation, das ich hier an der RWTH Aachen studiert habe, für meine Forschung von großem Vorteil ist und diese Herausforderung erleichtert, da der Studiengang es den Studierenden ermöglicht, in beide Richtungen (technisch und kommunikationswissenschaftlich) zu denken und die beiden Perspektiven zu kombinieren. Diese Kombination der verschiedenen Perspektiven wird im Zusammenhang mit den großen Herausforderungen, mit denen wir heute konfrontiert sind, immer wichtiger. Und ich finde es sehr spannend, dass ich die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ich während meines Studiums erworben habe, hier im FSC anwenden und in die Praxis umsetzen kann. Aus der Sicht der Akzeptanzforschung gefällt mir an meiner Arbeit vor allem das Verständnis der Kommunikation und Interaktion zwischen Mensch und Technik und das Sichtbarmachen menschlicher Entscheidungen unter Risiko- und Akzeptanzbedingungen für innovative Technologien.

 

An dieser Stelle würden wir uns gerne bei dir für das spannende Interview bedanken! Hast du noch ein paar letzte Worte an unsere Leser, die du gerne loswerden würdest?

Ich möchte dem Fuel Science Center danken, dass es uns die Möglichkeit gegeben hat, unsere Ergebnisse in die technische Modellierung zu integrieren und unsere Modelle gegen die Realität zu testen - das finde ich sehr spannend, denn es bedeutet einen wichtigen Schritt für unsere Methodenentwicklung, da wir nicht auf der Ebene unserer eigenen Ergebnisse stehen bleiben, sondern diese in die Realität umsetzen. Ich möchte mich auch bei unseren Kooperationspartnern im Fuel Science Center bedanken und finde es toll, dass unsere gemeinsame Forschung so gut funktioniert.